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Typologie

 

  • Die Typologie des Enneagramms

 

Wie andere Typologien auch ist das Enneagramm ein Klassifikationsschema. Es besteht aus drei Grundtypen, aus denen sich neun Persönlichkeitstypen ableiten lassen. Jeder Typus lebt aus einem Energiezentrum: seiner Leidenschaft. Was bei anderen Typen als Emotion oder Verhalten durchaus auch vorkommt, sei es Zorn, Angst oder Habsucht, entfaltet bei den Grundtypen eine eigene Dynamik. Die Leidenschaft beherrscht seine Existenz; aus ihr begreift er sein Tun, seine Werturteile sowie seinen Austausch mit der Umwelt. Wichtig für das Verständnis des Enneagramms an dieser Stelle ist die Einsicht, daß die Leidenschaften keine statischen Zuschreibungen sind, sondern vielmehr die Grunddynamik der Persönlichkeit oder des Charakters beschreiben. In Abhängigkeit davon, wie der einzelne diese Leidenschaften prozessiert, wird er sie entweder in Tugenden transformieren oder sich von ihnen beherrschen lassen und sie neurotisch ausagieren.

Ob diese Typologie wahr oder wissenschaftlich belegbar ist, interessiert an dieser Stelle weniger. Entscheidend ist, welchen Nutzen dieses Modell bietet - unabhängig von den Unterschieden im Detail, durch die sich die einzelnen Schulen des Enneagramms differenzieren. Der Persönlichkeitstypus nach dem Enneagramm beschreibt zunächst einmal eine psychische Grundstruktur, die "geronnenen Interaktionsmuster", die das Ergebnis von Interaktionsprozessen darstellen, die während der frühkindlichen Entwicklung durchlaufen wurden. Es sind - mit anderen Worten - verfestigte Programmstrukturen, die unsere Persönlichkeit auf einer Generalkarte fixieren und die wir mit anderen Menschen gemeinsam haben - jenseits aller individualtypischen Unterschiede. Kein Typus ist an sich, d.h. kontextunabhängig, besser oder schlechter als ein anderer Typus, und nicht alle Typeigenschaften werden von jedem Typus gleichermaßen realisiert. Aber jeder Typus oder Persönlichkeitsstil besitzt charakteristische Stärken und Schwächen, die ihn auszeichnen und ihm einen spezifischen Entwicklungsspielraum eröffnen.

Entscheidend ist nicht, daß man so oder so ist, sondern daß man sein spezifisches Entwicklungspotential sowie seine Fixierungen kennt und lernt, sie in der Kommunikation mit anderen zu transformieren. Um in diese Transformations- und Veränderungsprozesse gezielt eintreten zu können, ist es notwendig, zuerst seinem Grund- oder Basistyp zu begegnen. Die Begegnung mit dem Basistyp oder unserem Hauptcharakterzug kann uns Klarheit verschaffen über unsere "roboterhaft ablaufenden Konditionierungen". Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, z.B. Enneagrammtests, Introspektion oder Selbstentdeckung anhand der Typ-Charakteristiken.

Schon dieser Einstieg konfrontiert uns mit der dem Enneagramm eigenen Dynamik. Jeder Typus weist ein Kraftfeld oder Energiezentrum auf, das ein bestimmtes Entwicklungspotential kennzeichnet. Christliche Theologen haben dieses Feld auch als "Wurzelsünde" definiert: "Wir sind auf unsere Gaben fixiert. Wir sind zu sehr auf das fixiert, was uns natürlich zufällt. Wir haben ein natürliches Vorurteil und natürliche Verhaltensmuster, ..., eine natürliche Leidenschaft." Diese Fixierungen resultieren direkt aus der Ich-Entwicklung, der Fokussierung persönlicher Energien auf unseren virtuellen inneren Mittelpunkt. Je nach Entwicklungsstufe und persönlicher Lebenssitutation unterscheidet Riso [Das Enneagramm-Handbuch. München 1993] den gesunden [Stufe 1 - 3], den durchschnittlichen [Stufe 4 - 6] und den gestörten Typus [Stufe 7 - 9].

 

 

  • Typus
  • Leidenschaft
  • Kurzprofil
2: der Helfer Stolz:
besitzergreifend, großmütig, fürsorglich, manipulativ

Der Helfer möchte geliebt und geschätzt werden, weshalb er sich gern unentbehrlich macht. Diese Unentbehrlichkeit begründet seinen Stolz. Seine Zuwendungen können manipulativ sein; dann nämlich, wenn er Zuneigung durch Zuwendung "erkaufen" will.

3: der Macher Eitelkeit:
selbstsicher, ehrgeizig, erfolgsorientiert, narzißtisch

Der Macher möchte aufgrund seiner Leistungen und äußerer Erfolge geschätzt werden; häufig renommieren (Eitelkeit) Dreier mit oberflächlichen Erfolgen, auf die sie ihr Image aufbauen; ihr Gefühlsleben verrät einen Mangel an Authentizität.

4: der Künstler Neid:
launisch, introvertiert, depressiv, schöpferisch, melancholisch

Der Künstler projiziert seine Gefühle, seinen Lebensschmerz gern ins Ferne und Unerreichbare. Alles dreht sich um den Ausdruck dieser romantischen Sehnsucht, mit der er sich von anderen, die er gleichwohl um ihre "Normalität" beneidet, unterscheiden will.

5: der Denker Habsucht:
scharfsinnig, analytisch, handlungsgehemmt, exzentrisch, dissoziiert, paranoid
Der Denker läßt sich nicht ein; in Gefühle und andere Formen des Beteiligtseins möchte er nicht verstrickt sein. Er braucht einen klaren Blick und Sicherheit, die er durch das Anhäufen möglichst vieler Informationen über seine Umwelt gewinnt
6: der Loyale Angst:
verbindlich, pflichtbewußt, masochistisch, abhängig, paranoid
Der Loyale fürchtet sich vor selbständigem Handeln, weil er sich dann exponieren und die Sicherheit, die er von den ihn schützenden Autoritäten (Personen, Institutionen) bezieht, aufs Spiel setzen würde.
7: der Optimist Maßlosigkeit:
vielseitig, impulsiv, exzessiv, manisch, oberflächlich, lustbetont

Der Optimist stürzt sich in hektische Betriebsamkeit, ist allem Neuen aufgeschlossen, was ihn daran hindert, die eigene Leere und Langeweile wahrzunehmen. Er drückt sich vor Entscheidungen, fürchtet Schmerz und vermeidet unangenehme Situationen. "Easy living" ist seine Lebensmaxime.

8: der Führer Wollust:
selbstbewußt, expansiv, destruktiv, agressiv, exzessiv

Der Führer liebt die Macht um der Macht willen; er geht keiner Auseinandersetzung und Herausforderung aus dem Weg, da er sie als Beweis für seine Lebendigkeit braucht. Andere zu beherrschen ist für ihn schon aus Gründen der eigenen Sicherheit unerläßlich.

9: der Friedliebende Trägheit:
friedfertig, passiv, anpassungsfähig, gleichmütig, phlegmatisch
Dem Friedliebenden ist an harmonischen Beziehungen - fast um jeden Preis - gelegen; seine eigenen Ziele verliert er gern aus den Augen, wenn sich die Gelegenheit bietet, die Wünsche anderer zu erfüllen.
1: der Perfektionist Zorn:
rechthaberisch, prinzipientreu, streng

Für den Perfektionisten "sollte" und "muß" alles absolut in Ordnung sein. Nur dann ist seine angemaßte moralische Überlegenheit gerechtfertigt.